Dienstag, 28. Juni 2016

I am sailing, I am sailing
 home again 'cross the sea
 I am sailing stormy waters
 to be near you, to be free

I am flying, I am flying 
like a bird 'cross the sky
I am flying, passing high clouds
to be with you, to be free
(sutherland brothers)

ich gehe unter. im meer. da ist auf einmal wieder so viel. nach einem jahr zurück an dem ort, wo ich mich das erste mal zuhause gefühlt habe. nach einem jahr zurück in dem schmerz. nach einem jahr tolle menschen wieder sehen. aber es war zu viel. beim malen aufpassen, nicht zu dissoziieren. essen in mich hineinstopfen. mir war so schlecht, aber ich musste all das betäuben. nach einem jahr die lieder wieder hören und mitsingen. und dann kommt das eine lied. und ich bin zurück. vor 15 jahren. ich weine und weine und weine. aber heute sind da haltende hände und arme. so viel halt. und dann fahren sie alle wieder. und all der halt verschwindet. ich bin alleine. mit tränenüberströmtem gesicht stehe ich da. spüre den wilden ozean um mich herum. und verschwinde. im meer.

Dienstag, 21. Juni 2016

kontrolle.

ich muss ich muss ich muss. scheiße, wann genau ist diese ordnung und alles schaffen müssen so zwanghaft geworden? ich muss mir alle posts in den vegangruppen auf facebook angesehen haben. ich stoße dort auf tolle foodblogs. ich muss mir dann alle interessanten rezepte abspeichern. wirklich alle. ich muss meine to do listen abarbeiten. ich muss alle posts auf instagram gesehen haben. ich muss auf alle blogger kommentare antworten. ich muss alle blogposts gelesen haben. mein laptop wird langsam bei so vielen offenen tabs. aber ich muss es schaffen. ich muss sport machen. ich muss das auch zu fuß schaffen. bus fahren kann ja schließlich jeder. ich muss es schaffen. ich muss einfach. dabei sollte das ganze doch schön sein und spaß machen. spaß ist hier schon lange nicht mehr. nur enttäuschung, wenn ich es nicht schaffe. genauso wie wenn ich zu viel gegessen habe. oder keinen sport gemacht habe. oder mal wieder die soziale inkompetenz in person war. ich will endlich mal wieder in ruhe lesen. aber wann? ich sitze nächtelang am laptop um dinge zu schaffen. und dann fallen mir um drei die augen zu. da kann ich nicht mehr lesen. und morgens? da überhöre ich regelmäßig meinen wecker. schlafe bis um elf und hasse mich dann dafür. irgendwie spannend zu beobachten, wie hier alles aus dem ruder läuft. ich will doch nur festhalten. die kontrolle nicht verlieren. mittlerweile lache ich über die aussagen aus verschiedenen kliniken. sie haben keine essstörung, das ist nur der stress. haha, mein essverhalten ist also normal. sehr interessant. und dann der test auf die zwanghafte persönlichkeitsstörung. ergebnis: hab ich auch nicht. genausowenig wie borderline, aber das ist eine andere bescheuerte geschichte. keine ahnung, ob ich da mittlerweile mehr kriterien erfülle. aber ich komme mir schon irgendwie ziemlich gestört vor. und mir erscheint das alles doch ein bisschen nach zwängen. herzlichen glückwunsch, ich habe also einen neuen schaden. das macht doch alles richtig spaß. zum glück muss ich mich im moment nicht mit unfähigen therapeuten herumschlagen und bekomme das vielleicht auch selbst wieder in den griff. immerhin habe ich ja schon erkannt, dass irgendwas gehörig falsch läuft. aber als ich heute mittag dann eine normale 600kcal portion gegessen habe, hab ich mich hinterher verdammt mies gefühlt. so ein chaos ist doch super. nicht. und passt mir absolut nicht in den kram. kann das bitte noch nen monat warten bis nach der prüfung? jetzt habe ich keine zeit für störungen aller art. genauso wie mein kaputtes fahrrad. heute habe ich mich nicht in die werkstatt getraut, morgen wird es zu knapp, mittwoch habe ich in der zeit uni und donnerstag? keine ahnung. ich werde jetzt wohl noch instagram fertig stalken und versuchen, meinen kopf dann zum schlafen zu bewegen. ich raste hier noch aus.

Sonntag, 19. Juni 2016

ich wäre am liebsten im bett geblieben. wollte nicht aufstehen.
hatte doch schon längst versagt, weil ich zu lange geschlafen habe.
der wecker hat um neun geklingelt. wach war ich um halb sieben.
zu früh. weitergeschlafen bis elf.
hasshasshass.
wanke ins bad. zurück ins bett.etwas essen.
dann sämtliche soziale medien auf den neuesten stand bringen.
ich muss die kontrolle behalten. ich mussmussmuss. 
wirre gedanken.
will doch noch das gemüse aufbrauchen. das geht aber nur, wenn ich sport mache.
nicht essen. sport machen? auf der to do liste steht es ganz groß. klettern.
also gut. ich habe noch 10 min. dann kommt der bus. gerade so geschafft.
in der stadt umsteigen. in der bahn eine komische frau neben mir.
angstangstangst. sie hat meinen arm angefasst.
das ist meiner. mir doch egal, wenn du hinfällst. schreit es von innen.
aber ich bin hilfsbereit und freundlich wie immer.
drehe die musik auf volle lautstärke. die welt ist so laut.
wäre ich alleine. ich hätte mit meinem kopf längst die scheibe durchgeschlagen.
aber gut, tue ich eben so als sei ich ein soziales wesen.
von mensch sein kann hier keine rede sein.
beim aussteigen auf d. getroffen. so tun als könnte ich mit menschen reden.
klappt so semi gut. mein wirres gerede ist wohl nicht kompatibel für normale gehirne.
ankommen in der halle. umziehen. und ran an die neuen boulder.
eine stunde lang durchpowern. keine pause. musik voll aufgedreht.
spannend, was noch so auf dem alten mp3-player drauf ist. bmth geben sicherheit.
der eine boulder raubt mir meinen verstand. ich falle und falle und falle und falle.
bis ich dann komplett abrutsche. auf den arm geknallt. ziehen im kiefer.
nochmal nochmal nochmal. schreit es von innen.
gerade will ich wieder loslegen. doch da sind menschen.
ich soll pause machen. ein bisschen warten. ich brauche konzentration.
sei angeblich so verbissen wie eine bulldogge (sind die echt so? oder war es ein anderer hund?)
ich höre tatsächlich auf die worte. was ein wunder. aber befehle ausführen kann ich.
ein paar wenige leichte routen. alles gut. anderen menschen tipps geben.
leicht dissoziieren. das übliche.
noch etwas schweres probieren. ich kann es einfach nicht lassen.
total am ende. wanke aus der halle. mir ist echt schwindelig.
mein kopf findet das toll. denken ist nur noch eingeschränkt. hat was.
zum bahnhof laufen. geht erstaunlich gut.
geht so umkippen, wenn ich jetzt weitermache?
komische fragen im kopf. keine ahnung wie umkippen geht.
die bahn kommt. zum anderen bahnhof der stadt fahren. es ist kalt. eiskalt.
war es heute mittag nicht noch wärmer gewesen?
mir ist arschkalt.  so warte ich bestimmt nicht auf den bus.
aber du solltest auf dich aufpassen, warte einfach im bahnhof.
quatsch, schreit es wieder aus dem hinterkopf. wetten du bist schneller als der bus?
also gut. challenge accepted. und ja, ich bin schneller als der bus zu hause.
herzlichen glückwunsch. immerhin nicht umgekippt. wanke bis in den dritten stock.
gönne mir etwas vom bananenbrot und koche. gleich die doppelte portion.
schaffe sogar noch den abwasch. und bin auf einmal soso müde.
der tag ist fast vorbei. die gedanken kommen wieder.
denke an heute morgen.
die nachricht, dass ganz in der nähe drei kinder ertrunken sind.
ich habe geweint. soso sehr geweint. ich weiß, warum ich keine nachrichten schaue.
nienienie niemals nie schaue ich nachrichten. ich hasse die infos auf der startseite.
ich will keine nachrichten hören. ich weiß auch so, dass die welt scheiße ist.

Dienstag, 14. Juni 2016

und die zeit?
sie rennt davon.
so wie ich vor dem leben.

und jetzt sitze ich hier.
nach all den jahren.

und der schmerz?
er ist immer da.
im meer.

egal, wie viele tage vergehen.
die es eigentlich.
niemals hätte geben sollen.

Montag, 6. Juni 2016

unstoppable.

spätabends. draußen.
die nacht ist warm.
ich verstecke mich.
in meinem viel zu großen pullover.
er ist blau. blau wie das meer.
und ich. ich gehe unter.
im meer. in meiner welt.
in meinen gedanken.
die musik auf voller lautstärke.

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today


ich höre kaum etwas.
mein chaos im kopf ist lauter.
doch dann.
wird ein schalter umgelegt.
sobald der refrain beginnt.
renne ich los.
ich laufe und laufe und laufe und laufe. davon.
vor mir selbst. vor dem leben. vor dem schmerz.
immer schneller und schneller.
renne um mein leben.
die welt verschwimmt.
meine haare fliegen nach hinten.
die zeilen sind vorbei.
ich gehe weiter. immer weiter.
ein einsames glühwürmchen hat sich hierher verirrt.

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today

 
ich renne schon wieder.
ich renne und renne und renne.
und finde keinen ausweg mehr.
ich bin genauso einsam wie das glühwürmchen.
das sich vor mir versteckt. 
es verschwindet im gebüsch.
weil niemand. wirklich niemand.
in meiner nähe sein will.
ich laufe den kleinen pfad hoch.
ein ast berührt mich.
ich schrecke zusammen.
die angst zerfrisst mich.

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today


ich singe mit.
obwohl ich keines der worte.
glauben kann.
ich bin oben bei den gleisen.
ein weiteres glühwürmchen fliegt direkt auf mich zu.
wir sind zusammen einsam.
die musik dröhnt und dröhnt.
auf lautester lautstärke.

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today

 
ich höre nichts mehr.
nur meinen schmerz.
ich schreie.
innerlich.
ich schreie und schreie und schreie.
und bin doch still.
ich kann keinen klaren gedanken fassen.
die musik. sie dröhnt.
aber die gedanken sind noch so viel lauter.
und ich kann nicht mehr.
  
I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today

 
keine träne dringt an die oberfläche.
ich spüre nur.
wie ich langsam zerbreche.
und wenn jetzt jemand aus dem gebüsch springen würde.
ich hätte keine angst.
wovor auch?
dann hätte ich wenigstens halt.
auch wenn es gewalt ist.
es ist immer noch besser als nichts.

ein zug rast vorbei.
ein ice.
aber trotzdem zu langsam.
und zu weit weg.
zwanzig meter.
und ich wäre verschwunden.
es ist eine sternenklare nacht.
keine wolke am himmel.
nur die stille um uns herum.
das glühwürmchen und mich.
und manchmal fährt ein güterzug vorbei.
ich kann sie noch nicht einmal hören.
weil die musik so laut ist.

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today


ich sitze hier.
ich bin am leben.
und bin immer noch da.
es tut so wehwehweh.
kann mich nicht einfach jemand vernichten?
es wäre so viel einfacher.
das leben ergibt keinen sinn.

die musik ist aus.
das spiel ist vorbei.
vorbei. vorbei. vorbei.
das rauschen der züge.
zieht an mir vorbei.
ich höre sie gar nicht.
die stille.
sie schreit in mein gewissen.
ich ringe um meinen verstand.
ich kann nicht mehr.
ich kann nicht. ich kann nicht. ich kann nicht.
ich kann.

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today


ich nehme das rauschen der fabrikhallen kaum wahr.
wieder rast ein zug an mir vorbei.
bitte nimm mich mit. bitte nimm mich mit. bitte nimm mich mit.
dann bin ich weg.
es bleiben bruchstücke von mir übrig.
und das wars.
ich laufe auf die schienen.
alles ist gut.
ich bin wegwegweg.

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today


ich liege in den schienen.
in meinem eigenen grab.
ich starre die sterne an und habe angst.
so unfassbar viel angst.
aber keine angst vor dem sterben.
ich habe angst einen fehler zu machen.
angst entdeckt zu werden.
angst, dass es nicht klappt.
und eigentlich will ich doch gar nicht sterben.
mir geht es doch okay.
unstoppable dröhnt aus den kopfhörern.
einmal quer durch meine synapsen.
unstoppable.

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today


aber so unstoppable bin ich nicht.
ich stehe auf. gehe weg.
habe angst. vor wesen im gebüsch.
will verschwindenverschwindenverschwinden.
ich hätte doch einfach nur liegen bleiben müssen.
bis zum nächsten morgen.
warten, dass ein zug kommt.
mich überrollt. mitnimmt. verschwinden.
aber ich kann nicht.
ich kann es meinem wunderkind nicht antun.
warumwarumwarum ist alles so furchtbar?
bilde ich mir das alles nur ein?

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today


ich kämpfe mich den den hügel hoch.
und jetzt sitze ich wieder hier.
sehe züge vorbeirauschen.
und würde am liebsten unter den rädern liegen.
verschwinden. verschwinden. verschwinden.
ich kann das nicht.
ich bin immer noch hier.
und das ist das schlimmste.

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today


ich laufe zurück.
die schatten fressen mich auf.
und ich habe angstangstanst.
bis mir klar wird.
dass ich gar keine angst zu haben brauche.
dass es schön wäre.
wenn mich jemand überfallen würde.
und dann mache ich die musik wieder lauter und lauter und lauter.
endlich bin ich raus aus dem wald.
kann die taschenlampe ausmachen.
und dann renne ich nur noch.
ich renne und renne und renne.
bis fast nach hause.

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today


ich komme total aus der puste an.
und will eigentlich nur zurück.
aber ich bin hier. am leben.
ich werde nicht sterben.
nicht heute.
nicht morgen.
nicht nächste woche.
und auch nicht in den nächsten jahren.
es tut so weh.
diese gewissheit. sie tut so unfassbar weh.
aber:

I'm unstoppable
I'm a Porsche with no brakes
I'm invincible
Yeah, I win every single game
I'm so powerful
I don't need batteries to play
I'm so confident, yeah, I'm unstoppable today
Unstoppable today, unstoppable today
Unstoppable today, I'm unstoppable today

Donnerstag, 2. Juni 2016

gedankenmeer

es ist viel passiert. schöne dinge. traurige dinge. ich hätte 100 texte schreiben können. oder keinen. ich habe geschrieben. aber in mein notizbuch. ich mag die worte, doch es fühlt sich falsch an, sie jetzt noch zu veröffentlichen. und deshalb sitze ich jetzt hier und frage mich, wie ich all das, was passiert ist, in einen text packen kann. das kann ich nicht. und ich habe beschlossen, dass auch nicht alles wichtig ist. stichpunkte finde ich blöd, deshalb schreibe ich einfach von dem, was gerade ist. vielleicht ist das in einer stunde schon gar nicht mehr aktuell, aber ich möchte den moment einfangen und das ist okay so.

ich habe mich in letzter zeit ausführlich mit dem therapie kram beschäftigt und bin zu dem schluss gekommen, dass es mir besser ohne geht. ja, ich will therapie, aber nicht jetzt. und nicht ambulant, wo mir jede woche der boden unter den füßen weggerissen wird und ich dann alle energie brauche, um das chaos zusammenzuflicken und den kindergarten im innen zu beruhigen.

ich atme worte und zahlen. gehe unter zwischen augenblicken und musik.
und eigentlich geht es mir ziemlich gut. zumindest solange, bis wieder alles zerbricht.

heute bin ich verwirrt. und so furchtbar unsicher. meinungen anderer können mich so schnell aus dem gleichgewicht bringen. meinungen haben so viel kaputt gemacht. damals im winter. ich saß heute morgen bei meinem psychiater und habe ihm von den plänen erzählt, noch eine zweite runde heiligenfeld zu starten. gerade, weil ich jetzt etwas stabiler bin und auch an themen arbeiten kann, die sonst gar nicht gehen. und dann kam direkt die frage, ob ich wirklich an mir arbeiten will oder mir nur die schöne zeit zurück wünsche. dann ging es weiter, wie es überhaupt mit einem traumaschwerpunkt dort aussieht. und mein gedankenkarussell nahm fahrt auf. bilde ich mir das alles nur ein? soll ich in eine andere klinik? soll ich am besten in gar keine klinik? bin ich fake? bin ich überhaupt krank? das ganze hat sich so hochgeschaukelt, dass ich im selbsthass versunken bin und danach richtig fertig war. dann ging der spaß in der apotheke weiter. die praktikantin hat es bestimmt nicht böse gemeint, aber sie wollte mir unbedingt vitamin b andrehen. ich wollte aber nur meine verdammten antidepressiva. ja, es mag sein, dass vitamin b auch helfen kann, aber erstens habe ich kein geld dafür, zweitens ist da gelatine drin (ich hatte gesagt, dass ich vegan sei, schien ihr aber nicht so bewusst zu sein, es war für sie nur ein weiterer grund, mir das zeug anzudrehen) und drittens nehme ich nichts, solange ich nicht von meiner ärztin eine bestätigung habe, dass ich da tatsächlich einen magel habe.

eigentlich könnte ich auf solche meinungen scheißen. aber noch immer ist in meinem kopf, dass meine meinung keinen wert hat. dass ich ja nur falsch liegen kann. und ja, vielleicht warte ich wirklich, bis es wieder schlimmer ist. und das wird kommen. ganz sicher. und bis dahin schwimme ich tapfer durchs wortemeer. atme unterwasser. und lächle den schmerz weg. weil genau das von mir erwartet wird. funktionieren konnte ich schon immer. ich werde leistung bringen. ich kann das. auch wenn das überleben am limit bedeutet. 

Träumer