Dienstag, 29. Dezember 2015

sinnvolle weihnachtsgeschenke

du schreibst mir, dass du es voraussetzt, dass ich weiterlebe. aber so ganz sicher bin ich mir da nicht mehr. ich habe so schreckliche angst vor mir selbst. allein der gedanke an silvester macht mich krank. was werde ich dieses jahr für einen mist bauen? und oma, ich glaube es war keine gute idee, mir ein messer zu weihnachten zu schenken und immer wieder zu betonen, wie scharf es doch ist. oder vielleicht doch? solange es mir hilft, das leben aus mir herausfließen zu lassen.

Sonntag, 27. Dezember 2015

Seelen sind nicht käuflich zu erwerben.

Ich hasse Weihnachten.
Ich will all diese Geschenke nicht.
Ich habe sie angenommen, weil man das so macht.
Aber ich lasse meine Seele trotzdem nicht kaufen.
Ich gehöre mirmirmir.
Egal wie viel Geld ihr ausgebt.
Euer Gewissen könnt ihr damit nicht bereinigen.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Verschwinden

In den letzten Monaten hatte ich so oft die Erkenntnis, dass es doch besser ist am Leben zu bleiben. Erst vor zwei Tagen war es wieder so. Und jetzt liege ich hier und traue mich nicht einmal mehr zu atmen. Der Hunger quält mich, aber nach unten gehen erscheint meinem Kopf viel zu gefährlich. Diese Welt ist mir so fremd. Ich bin eine Außerirdische auf meinem eigenen Planeten. Nebenan lachen die Freunde von meiner Schwester. Ich selbst würde am liebsten heulen, aber es geht nicht. Es wäre so einfach, jetzt aufzugeben. Ich höre die Klingen in meinem Kleiderschrank schreien. Sie wollen benutzt werden. Aber selbst wenn das Leben langsam aus mir herausläuft, bin ich immer noch da. Immer immer immer. Und es hört nicht auf.

Freitag, 18. Dezember 2015

Gedankenkrebs

Als ich klein war, habe ich mir immer gewünscht, Krebs zu haben. Damit endlich jemand meinen Schmerz sieht und versteht. So oft habe ich darüber nachgedacht, wie es wäre, endlich gesehen zu werden. Ich würde besucht werden und ich hätte alles Recht, Schmerz zu empfinden. So war mein Schmerz immer da, aber er wirkte so irreal, weil es keinen sichtbaren Grund gab. Mindestens genauso oft habe ich überlegt, wie es wäre, wenn meine Mama Krebs hätte. Dann würde niemand mehr fragen, warum ich traurig wäre. Ich hätte einen Grund. Gleichzeitig habe ich meine Mama doch auch so sehr geliebt. Die Vorstellung tat weh, aber immer noch weniger weh als all dieser Schmerz, den ich niemals zeigen durfte. Ich hatte doch alles, was ich brauche. Ich sollte ein glückliches Kind sein. Meine Eltern stolz machen. Auch wenn meine Kindheit alles andere als toll war. Das habe ich mittlerweile begriffen. Früher dachte ich immer, dass doch alles normal sei. Erst viel später habe ich erkannt, dass es nicht normal ist, wenn man geschlagen wird. Ich war noch so klein und schon so verdammt am Ende. Auch wenn ich alles verdrängt hatte. Warum konnte nie jemand meinen Schmerz sehen? Warum verdammt? Es tut alles so weh. Ich will doch nur noch verschwinden.

Sonntag, 13. Dezember 2015

Hacker und co.

Irgendein Hacker fand es wohl witzig, meinen Email-Account zu hacken. Ich nicht so ganz, denn so war ich zwei Stunden damit beschäftigt, sämtliche Passwörter zu ändern. Die Zeit hätte ich wirklich sinnvoller nutzen können. Dabei war ich doch extra eher aufgestanden, damit ich alles in Ruhe machen kann. Naja, wirklich was zu holen ist bei mir ja nicht. Mein Drucker wollte dann auch nicht so wie ich und hat mich fast eine Stunde zur Weißglut gebracht, bis der gute endlich drucken wollte und ich weiterlernen konnte.
Nachmittags war ich zum Abreagieren erstmal joggen, auch wenn mir das Klettern von gestern echt noch in den Knochen steckt. Irgendwie tat alles weh, aber ich habe die 4,5km durchgezogen. Eigentlich wollte ich das ja noch steigern, aber das war heute absolut nicht drin. Abends habe ich dann meine Wohnung von oben bis unten geputzt und danach nochmal ein bisschen was für die Uni gemacht, falls ich morgen nicht so viel schaffe wie ich mir vorgenommen habe. Mein Zeigefinger tut immer noch weh, allerdings kann ich nicht einschätzen, ob das vom vielen Schreiben oder vom Klettern kommt. Hoffentlich ist das bis morgen besser, damit ich zumindest noch ein bisschen trainieren kann, bevor ich dann am Mittwoch zu meinen Eltern fahre. Ich will ja schließlich am Freitag nicht versagen, wenn ich in der Halle bei meinen Eltern bin. Ich habe ja trainiert und ich bin auch besser geworden.. Das ist so komisch, drei Wochen nicht hier zu sein. Mein Kühlschrank leert sich zum Glück auch ganz gut, dann wird auf jeden Fall nichts schlecht. Seit Tagen bin ich jetzt abends immer sehr kaputt und lege mich früher hin. Irgendwie seltsam, nicht die halbe Nacht wach zu sein, auch wenn ich immer noch sehr lange zum Einschlafen brauche.

Freitag, 11. Dezember 2015

Untergehen

Seit Tagen macht mein Kühlschrank immer wieder sehr merkwürdige Geräusche. Wenn ich meinen Backofen hochhebe, hören sie auf (achja und ich bin nicht Pippi Langstrumpf, ich habe einen Mini-Backofen von der Größe einer Mikrowelle, den kann man noch sehr gut anheben). Ich war sehr verwirrt. Sie haben schlagartig begonnen und hören jetzt auch schlagartig wieder auf. Denn seit heute ist Stille. Jetzt freue ich mich sogar über die normalen Kühlschrankgeräusche, einfach weil sie nicht mehr so furchtbar nervig sind wie dieses irre laute Brummen, das sich wie eine etwas leisere Bohrmaschine angehört hat. Es sind schon genug Geräusche, wenn mein Nachbar nachts um 12 Ballerspiele spielt und ich deshalb nicht schlafen kann, weil meine Musik immer noch leiser ist als sein blödes Spiel.

In meinem Bad spielen sowohl das Abflussrohr vom Klo als auch das Wasserheißmachding (Durchlauferhitzer) verrückt. Somit habe ich jeden Tag einen netten See im Badezimmer. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass ich endlich untergehen soll. Dabei bin ich doch schon in meinem Verstand verloren und unter Wasser atme ich schon viel zu lange. Ich mag nicht ertrinken, das ist kein schöner Tod. Deshalb kommt auch am Dienstag der Elektriker und macht zumindest das Wasserheißmachding wieder heile. Aber ich glaube, wenn ich ihn frage, ob er auch mich wieder heile machen kann, wird er nur mit dem Kopf schütteln. Ich gehe trotzdem unter, weil mich niemand reparieren kann.

Heute Morgen war ich bei Ikea und habe den Gutschein aus meinem Adventskalender eingelöst. Ich bin erstmal wie eine Wahnsinnige unten durch den Bereich mit den Brotdosen etc. gelaufen, bis ich endlich mal einen Verkäufer zu fassen bekommen habe, der mir gesagt hat, dass die Besteckeinlagen nur in der Möbelausstellung zu finden sind. Ich habe dann noch ein Schneidebrett, große Teelichter und ein Kissen mitgenommen. Durch meinen Adventskalender musste ich auch nur 46ct bezahlen. Da hat sich das ganze definitiv gelohnt, auch wenn ich sehr gestresst war.

Nachmittags habe ich dann weiter das Buch für die Uni zusammengefasst, bis meine Hand weh tat. Aber wenn ich jetzt dranbleibe, schaffe ich bis Weihnachten die 150 Seiten. Dann sind es nur noch 70 oder 80. Ich habe das Gefühl, dass ich nie fertig werde.
Bis Mittwoch muss ich jetzt noch irgendwie meinen Kühlschrank leer bekommen, weil ich dann zu meinen Eltern fahre. Also ist erstmal einkaufen verboten, auch wenn ich schrecklich gerne Lebensmittel einkaufen gehe. Irgendwie entspannt mich das total.
Jetzt bin ich auf jeden Fall total müde und werde noch etwas lesen und dann schlafen.

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Angst

Bitte hör doch endlich auf damit. Ich würde das so gerne schreiben, aber ich kann nicht. All diese Nachrichten machen mich fertig. Ich will nicht, dass du mir schreibst. Du machst mir Angst. Merkst du nicht, dass ich dich ignoriere, dass ich dich nicht umsonst auf facebook gelöscht habe? Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben. Stattdessen bleibe ich still und versinke in meiner Angst. Ich will dir nicht weh tun, weil du mir ja eigentlich nichts getan hast. Nach der Klinik durfte ich eine Weile bei dir wohnen, auch wenn es schrecklich war. Du hast mir Raum gegeben und ich musste mich eingrenzen, um nicht zu zerfallen. Du hast nichts bemerkt. Aber es war zu viel. Da bin ich dann doch wieder zu meinen Eltern gegangen. Ins alte Umfeld, bis ich meine Wohnung gefunden hatte. Männer, die mir zu nah kommen sind immer gefährlich. Alle wollen irgendwas und ich bin zu viel. Viel zu viel. Ich ertrage das nicht. Nähe ist so gefährlich. Ich werde unsichtbar. Ich will doch nur verschwinden, aber zum Verschwinden habe ich heute schon wieder viel zu viel gegessen. Ich fühle mich so voll. So unwürdig, aber irgendwie muss ich meinen Kühlschrank ja leer bekommen, wenn ich nächste Woche zu meinen Eltern fahren will. Dazu war dann auch noch der Hausmeister richtig lange in meiner Wohnung und morgen kommt er wahrscheinlich schon wieder, weil mein Klo immer noch tropft und ich langsam keinen Bock mehr auf einen See im Badezimmer habe. Heute habe ich endlich die Steckdose im Flur bekommen. Keine Stolperfalle mehr in der Tür wegen des Kabels. Dafür habe ich jetzt Dreck und dieses merkwürdige Gefühl, weil mal wieder ein Mann so lange in meiner Nähe war. Als Ablenkung habe ich schon Sachen für die Uni gemacht, obwohl Mittwoch immer mein freier Tag ist. Aber es ist nicht genug. Ich bin niemals genug. Ich hätte ja auch noch mehr für die Uni machen können. Stichpunkte auf die Folien übertragen und die Präsentation fertig machen sind nicht genug. All diese Gedanken schreien so laut. Irgendetwas will mich festhalten. Ich darf nicht gesund werden. Komm wieder nach unten. Glücklich sein hast du nicht verdient. Solange es anderen schlecht geht, musst du auch leiden. Und immer wieder die Angst. Sie hält nicht still. Sie ist ein endloser Schrei.

Dienstag, 8. Dezember 2015

Leere Hülle

Der Zombie ist zurück. Warum darf ich überhaupt noch frei herumlaufen?

Die Nacht war schrecklich. Ich habe nur vier Stunden geschlafen, weil ich Trottel unbedingt noch ein paar Dinge am Laptop einstellen wollte und ohne Erfolg einfach nicht schlafen gehen konnte. So war es dann halb drei oder drei, als ich mich hingelegt habe. Heute Morgen war ich dann so unfassbar müde. Meine Betreuerin hat aber irgendwie nichts gecheckt. Nur als sie sagte, dass einige Therapeuten geantwortet hätten, dass ich selbst anrufen muss, ging das hyperventilieren wieder los und die Tränen liefen. Ich war froh, als der Termin vorbei war und ich endlich in die Kletterhalle konnte.

Ich habe mich ein bisschen abreagieren können, aber die Tatsache, dass ich keine neue Route auf die Reihe bekommen habe, war leider nicht ganz förderlich. Ich war nicht gut genug. Wie immer. Auf dem Rückweg sind die Gedanken nur so gesprungen. Ich habe mir dann Zuhause Pommes in den Backofen geschoben und nebenbei den Brötchenteig für heute Abend gemacht. Dabei sind mir dann noch das Mehl und das Salz im Regal umgekippt und ich hätte mich schon wieder in den Hinter beißen können.

In der Uni kam ich mir dann so schrecklich überflüssig vor. Und der Kommentar von einer Kommilitonin, dass meine Haare offen gut aussehen, hat bei mir nur dafür gesorgt, dass die Gedanken kamen, dass ich sonst nicht gut aussehe. Mit einem Zopf bin ich also hässlich. Aber nicht nur dann, ich bin immer hässlich, schreit es aus meinem Hinterkopf. Du fettes Stück sollst endlich abnehmen. Übergewicht macht sich nicht gut. Und nur weil dein Doppelkinn langsam  verschwindet, heißt das nicht, dass du gut genug bist. 79kg sind fett, fett, fett. Dann war mal wieder die Vorlesung klinische Psychologie. Ich hatte eine bunte Palette an Triggern. Wir sind immer noch bei den psychoanalytischen Modellen und ich war mit Trauma, Gewalt, Missbrauch etc. konfrontiert. Als es dann zu tief ging, fing das große Zittern an. Eine Kommilitonin meinte später, dass die ganze Bank gewackelt hat. Mir war das gar nicht bewusst gewesen, weil ich mich schon so zurückgenommen hatte. Das Dissoziieren ließ dann auch nicht mehr lange auf sich warten. Zum Glück war ich nicht ganz weg, aber wenn mich jemand in dem Moment etwas gefragt hätte, hätte ich wahrscheinlich nicht antworten können. Der Dozent hat mich auch wieder mehrmals sehr intensiv angesehen. Aber was soll ich denn machen? Verdammt, das ist alles so triggernd. Nach der Vorlesung wollte ich einfach nur noch raus. Ich bin im Flur wie ferngesteuert an allen vorbeigegangen, auch wenn manche meinen Namen gerufen haben. An einem ruhigeren Ort bin ich dann stehen geblieben. Konnte mich etwas runterskillen und hatte dann die grandiose Aufgabe, meinen Kommilitonen zu erklären, was eine Dissoziation ist. Wundervoll, ich hätte mir nichts besseres vorstellen können. Das Seminar danach habe ich irgendwie überstanden. Dort habe ich mich in meinen Gedanken und Tagträumen verlaufen. Hauptsache nicht diesen unfassbaren Schmerz spüren. Ich hatte immer wieder das Bedürfnis, den Kopf gegen die Wand zu schlagen und mir die Arme aufzuschneiden. Es soll einfach aufhören.

Wieder Zuhause habe ich dann die Brötchen gebacken und meinen Collegeblock mit Zitaten von Heisskalt vollgeschrieben. Ich bin so am Ende. Dieser Alptraum hält mich gefangen. Ich renne als gefühlsleere Hülle durch die Straßen. Da ist nichts und doch so viel. Ich habe keine Kontrolle mehr.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Feststellungen

Manchmal ist mein Kopf merkwürdig. Gestern war ich einkaufen. Tatsächlich nur gesunde Sachen, ich will ja endlich vom Übergewicht wegkommen. Also gehe ich zu dm und kaufe Sojaschnetzel, Tee, Tomatenmark. Ich liebe einfach die Lebensmittel dort. Ich stehe immer stundenlang vor den Regalen und schaue mir alles an. Letztendlich kaufe ich zwar doch nur das, was auf meinem Zettel steht, aber gucken kostet ja nichts. Danach ging es weiter bei tegut. Möhren, Tomaten, Ananas, Paprika, Gewürze, Bananen, Käse und noch mehr Tee. Auf dem Rückweg kam mir dann die grandiose Erkenntnis, dass Tomatenmark und Apfelmark dasselbe sind, nur mit anderen Rohstoffen. Es ist immer das Mark der Frucht/des Gemüses. Sagt der Name ja schon, aber Tomatenmark war für mich bis gestern trotzdem immer eine komische rote Paste mit Tomaten drin und Apfelmark kannte ich bis vor einem Jahr noch gar nicht.

In den letzten zwei Wochen  bin ich auch endlich auf die geniale Idee gekommen, nach 20 Jahren doch mal Tee zu probieren. Bis dahin habe ich immer am Wasser festgehalten und sehr überzeugend behauptet, dass ich nichts anderes mag. Okay, Alkohol und alles was klebt ekelt mich so oder so an, aber ich Trottel hätte wenigstens mal etwas probieren können. So langsam wächst meine Teesammlung. Ich könnte wahrscheinlich noch viel mehr kaufen, aber irgendwann muss den ja auch noch jemand trinken..

Ich verstehe meinen Bäcker nicht. Die haben dort ein sehr leckeres Brot mit dem Namen Abendbrot. Aber immer wenn ich in den letzten Wochen da war, hatten sie es nicht. Ich habe es darauf geschoben, dass es das, wie der Name schon sagt, nur abends gibt. Dann bin ich einmal sogar extra abends Brot kaufen gegangen, aber das Brot war nicht da. Zum Nachfragen bin ich leider zu blöd, also habe ich das gelassen. Gestern morgen, 10 Uhr, ich stehe beim Bäcker und traue meinen Augen kaum. Da steht das Abendbrot lustig im Regal herum und ich bin sehr glücklich, dass ich es endlich wieder essen kann.

Manchmal sind meine Erkenntnisse ziemlich dumm, aber so ist das wohl. Gestern in meinem Kopf klang das alles noch sehr logisch. Heute aufgeschrieben wirkt es sehr lächerlich. Aber das bin ich und deshalb darf das hier auf meinem Blog stehen.

Und zuallerletzt: nen Scheiß muss ich
Ich habe mir ein sehr tolles Schild mit genau diesem Spruch drauf gekauft und das hängt jetzt an meiner Zimmertür und erinnert mich jeden Tag daran, dass ich nicht immer das tun muss, was andere von mir erwarten.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Zombie in der Uni

Der Dozent in der Vorlesung hat mich heute richtig komisch angesehen, als ich mal wieder wie ne bescheuerte auf die Wand gestarrt habe und immer wieder vor und zurück gewippt bin. Ich stand mal wieder kurz vor ner Dissoziation. Ja, ich merke das mittlerweile vorher. Aber was nützt mir das, wenn ich es so oder so mit mir geschehen lasse, weil die meisten Skills in der Uni viel zu auffällig wären? Er hat nur von Impulsen geredet, die Eltern haben, wenn ihre Kinder total nerven. Dann haben Eltern wohl den Impuls, das Kind zu schlagen. Und schon war ich weg. Gewalt ist kein gutes Thema, auch dann nicht, wenn er versucht hat, es als Witz zu verpacken. Während alle anderen gelacht haben, sind meine Augen nur noch größer geworden. Wahrscheinlich kann ich bald das lebende Beispiel für meine Kommilitonen werden. Na wunderbar. Klinische Psychologie ist zwar wahnsinnig interessant und er erklärt das auch echt gut, aber ich habe jede Woche mindestens einen Trigger. Meistens sitze ich relativ weit vorne und in der Linie des Rednerpults, d.h. er kann mich genau beobachten. Keine Ahnung, ob er mich jetzt schon für verrückt hält oder so. Er ist ja auch Theapeut, wenn ich also wirklich mal komplett abdrehen sollte, wäre zumindest jemand da, der ein bisschen Ahnung hat, auch wenn mich das nicht vor der Bloßstellung vor meinen Kommilitonen schützen wird. Vor dem Tag habe ich echt Angst. Hoffentlich halte ich noch irgendwie durch. Es macht mir ja eigentlich Spaß, wenn nur mein Körper nicht so heftig reagieren würde. Ich muss mich doch nicht mit jedem Satz zurück in die Vergangenheit katapultieren lassen.

Dieser Zug fällt aus

Wenn ich Youtuber wäre, hätte ich heute mein 100. Video über die deutsche Bahn gedreht. Bin ich aber nicht, also müsst ihr jetzt hier ein bisschen unter meinem Schwachsinn leiden. Erstmal wollte ich nämlich gar nicht zum Bahnhof hin. Ich war bei meinen Eltern und wollte dort bleiben, obwohl es mir dort deutlich schlechter ging als in meiner eigenen Wohnung, aber gut. Diese Logik muss man nicht verstehen. Meine Mama wollte wie immer viel zu früh zum Bahnhof los, aber ich habe ihr mal den Gefallen getan und mitgespielt, auch wenn wir dann mal wieder ne Viertelstunde zu früh da waren. Am Gleis angekommen steht da die Nachricht, die niemand sehen will. Mit Verspätung hatte ich ja schon gerechnet, aber heute habe ich den Hauptpreis gewonnen: "Dieser Zug fällt aus.", steht dort in netten kleinen Buchstaben, die über die Anzeigetafel tanzen. Ich fange also das erste Mal an zu heulen, weil ich weiß, dass es mal wieder zwei beschissene Stunden warten bedeutet und ich eh schon kurz vor der nächsten Panikattacke stehe. Wir sind dann noch rüber zum Kiosk zu dem Mann, der auch die Tickets verkauft, aber der meinte nur, dass es keinen anderen Zug gibt bis in zwei Stunden und dass er selbst dann nicht garantieren könnte, dass der kommt. Ich war hellauf begeistert. Mir wären ja nicht einmal die Kosten egal gewesen, wenn es einen ICE gegeben hätte, gab es aber nicht. Dann kam noch die wundervoll Aussage des ansonsten echt netten Kerls, dass das ja nur sehr selten passiere. Toll, damit war mir auch nicht geholfen, zumal mir das ziemlich egal ist, ob ich den Zug verpasse, der Zug Verspätung hat oder eben ausfällt. Ich habe mich also in den zum Glück beheizten Warteraum gesetzt und wie hypnotisiert auf die Uhr gestarrt, während meine Mama noch so lieb war und mir ein Brot gekauft hat. Sie hat auch noch ein bisschen mit mir gewartet und ist dann aber doch gefahren. Ich hatte also noch 90 Minuten Zeit mit zu langweilen. Ich hatte mir zwei Bücher eingepackt, also konnte es mit Winterwassertief weitergehen. Ich habe mich mal wieder in Lillys Worte geflüchtet und immer wieder musste ich lächeln, weil ich immer ein paar Kapitel bevor sie über ein Thema geschrieben hat, in der letzten Nacht selbst einen Text dazu verfasst hatte. Nach einer weiteren Stunde kam eine Gruppe ziemlich angetrunkener Omis rein und hat nur Mist erzählt. Das ganze in einer Lautstärke, dass man es wohl noch draußen gehört hat. Die haben dann weiter Sekt getrunken und Brötchen gegessen. Irgendwann kam dann zum Glück auch der Zug. Tatsächlich pünktlich. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Im Zug gegenüber saß mir ein Mann der mich immer mal wieder sehr komisch angestarrt hat. Steht etwa Psycho auf meiner Stirn oder was? Naja, das habe ich irgendwie überlebt. Endlich angekommen habe ich natürlich die Straßenbahn verpasst und konnte ne Viertelstunde in der Kälte stehen. Aber bei so viel Verspätung kam es darauf auch nicht mehr an. Von der Straßenbahn bin ich dann zum Bus gerannt und habe den gerade noch so bekommen. Der Busfahrer war sogar so lieb und wollte mein Ticket gar nicht sehen. Um neun war ich dann endlich Zuhause. Langsam frage ich mich, ob sich die Bahn gegen mich verschworen hat? In letzter Zeit strande ich immer wieder irgendwo und darf dann zwei Stunden warten. Und gerade an Tagen, wo es mir eh schon nicht gut geht ist es keine gute Idee, mich länger als notwendig an einem Bahnhof warten zu lassen.

Träumer